| Aus der Gründungszeit |
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Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde seitens der Obrigkeit sehr viel Aufklärungsarbeit unternommen, um den immer wiederkehrenden Feuersbrünsten in Stadt und Land Herr zu werden. Auszug aus dem Kreisamtsblatt vom Mai 1870: (zum Vergrößern klicken!) Ob dieser oder einer der vielen anderen Aufrufe »Seiner Majestät des Königs von Bayern« oder eventuell eigene Einsicht für die Gemeinde Kirchheim ausschlaggebend war, das Feuerlöschwesen in geordnete Bahnen zu lenken, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Fest steht jedoch, dass im Kassenbuch der Gemeinde Kirchheim des Jahres 1871 im Dezember eine Ausgabe in Höhe von 192,- FI. (Gulden) für die Beschaffung einer Feuerspritze vermerkt ist. Diese Spritze wurde aus der Bezirkskasse mit 100 Gulden bezuschusst. Ob damit auch gleichzeitig die Geburtsstunde der »Freiwilligen Feuerwehr Kirchheim« verbunden ist, ist dokumentarisch nicht festgehalten. Nachweisbar wurde aber im Kreisamtsblatt vom August 1873 die Gemeinde Kirchheim mit 25 freiwilligen Feuerwehrmitgliedern aufgelistet. Als Gründungsmitglieder sind hierin genannt: Gruber Georg, Oekonom; Sepp Josef, Oekonom. Urkundlich belegbar ist das Gründungsjahr dieser Wehr nicht. In der Chronik des Bezirks-Feuerwehr-Verbandes München-Land aus dem Jahre 1925 wird das Jahr 1878 als das Jahr der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Kirchheim angegeben. Allerdings erwähnt der Chronist auch, dass „dabei auch in Berücksichtigung gezogen werden muß, dass nicht jede neugebildete Feuerwehr auch sofort in den Feuerwehr-Verband eintrat oder sich zu diesem Schritte verpflichtet fühlte“. Auch sind in der Stammliste der Feuerwehr Kirchheim Mitglieder mit dem Tag des Eintritts bereits vor 1878 geführt. So wird für einen Felix Gerhartinger als Eintrittstag der 12. Januar 1874 und für einen Franz Gruber der 29. März 1875 angegeben. Auch in dieser Chronik sind als Gründungsmitglieder obengenannte Personen aufgeführt. Die älteste noch erhaltene Grundliste der freiwilligen Gemeindefeuerwehr der Gemeinde Kirchheim stammt aus dem Jahre 1879. Diese Grundlisten mussten nach der Distrikts-Feuerlöschordnung jährlich im Januar dem Königl. Bezirksamte zur Einsicht vorgelegt werden. Die Kirchheimer Liste wurde am 17. April 1879 mit folgendem Vermerk zurückgesandt:
An den Bürgermeister von Kirchheim mit dem Bemerken zurück, daß der Steiger- und der Ordnungsmannschaft zu viel Leute, dagegen der Spritzenmannschaft zu wenig Leute zugeteilt sind. Neun Steiger genügen, und sind daher die Uebrigen der Spritzenmannschaft zuzuteilen, ebenso dürften einige Leute unter 40 Jahre von den Ordnungsmännern den Spritzenmännern einzureihen sein. Ich hoffe, daß in Kirchheim die Männer nicht deshalb der freiwilligen Feuerwehr sämmtlich beigetreten sind, um ein unthätiges Leben zu führen und erwarte daher; daß die freiwillige Feuerwehr mindestens 6 - 8 Uebungen im Jahr vornimt, um sich zu einer ordentlichen dorffeuerwehr auszubilden. Sollte dies nicht der Fall sein, so wäre ich genötigt der freiwilligen Feuerwehr Kirchheim die fernere Anerkennung als freiwillige Feuerwehr zu versagen.
München, den 17. April 1879 KgI. Bezirksamt
Ob diese Abmahnung Konsequenzen nach sich zog, ist nicht überliefert. Fest steht allerdings, dass diese Männer, an heutigen Verhältnissen gemessen, ihre Aufgaben mit primitiven Mitteln verrichteten. Die 1871 beschaffte Feuerspritze war eine einfache Kübelspritze. Hier handelte es sich um ein Gerät ohne Saugeinrichtung. Sie musste ganz nahe an die Brandstelle herangebracht werden. Die Bedienung war durch das ständige Wasserzutragen mittels Eimerketten, zu der alle Dorfbewohner herangezogen wurden, sehr umständlich und ermüdend. Neben dieser Feuerspritze ist in der Chronik auch noch eine Anstellleiter mit Stützstangen vermerkt. Auch einige Schläuche und Feuereimer sind in dem Mobiliar-Feuerversicherungs-Verzeichnis von 1889 aufgeführt. Die Gründung unserer Feuerwehr hat unter Bürgermeister Balthasar Vitzthum stattgefunden. Der Lehrer Eduard Schlereth fungierte im Verwaltungsrat als Schriftführer und Philipp Kink war der erste Kommandant. Die Namen der Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Kirchheim lassen sich lückenlos bis heute feststellen und sind am Ende dieser Chronik aufgeführt. Nach mündlicher Überlieferung des früheren Kreisbrandinspektors Scherzl, eines gebürtigen Kirchheimers, diente der Kirchturm als erstes Feuerwehrgerätehaus. Glaubhaft ist diese Aussage deshalb, weil man bei der Trockenlegung der Kirche 1976 feststellte, dass die Eingangstüre zum Glockenhaus wesentlich weiter ausgebrochen war, als sie es heute noch ist. Dies war erforderlich, um mit der Spritze über das Portal in den Turm zu gelangen. Vielleicht war dies auch der Grund dafür, dass die Gemeinde bis 1957 für die Baulast und die Erhaltung des Turmes zu sorgen hatte. Als aber im Jahre 1874 das neue Schulhaus fertiggestellt war, wurde das 1835 von den Gemeinden Kirchheim und Heimstetten gekaufte Anwesen Hausnummer 6 als Schulhaus nicht mehr benötigt und zum Feuerwehrgeräte- und Armenhaus umgebaut. Dieses erste Feuerwehrhaus der Gemeinde Kirchheim befand sich genau an der Stelle, an der heute das Rathaus steht (Münchner Straße 6). Dokumentarisch lässt sich dies aus dem bereits erwähnten Feuerversicherungsverzeichnis von 1889 nachweisen. In den ersten Jahren ihres Bestehens hatte die Freiwillige Feuerwehr Kirchheim als „Uniform“ nur eine Mütze aus Leder. Später wurden Dienstmützen aus grauem Tuchstoff mit Wachsleinwandüberzug und graue Dienstjoppen beschafft. Die auf der 10. Landesfeuerwehrversammlung am 8. September 1905 in Passau beschlossene einheitliche Uniformierung der freiwilligen Feuerwehren war der Kirchheimer Wehr offensichtlich zu kostspielig, denn in der Chronik des Feuerwehrverbandes München-Land ist erwähnt, dass „neben wenigen anderen, auch die Feuerwehr Kirchheim im Jahre 1913 mit der Einführung der neuen Uniform noch im Rückstande ist“. Ausgerüstet war die Wehr zu dieser Zeit mit Helmen aus Messing, die Steigerabteilungen mit dem nötigen Gurten-, Haken- und Leinenmaterial und die Spritzenleute mit einfachen Gurten. Die graue Uniform wurde als einzige Feuerwehr des Kreises über 1924 hinaus getragen. Offensichtlich bereitete die Versorgung und Unterhaltung der Feuerwehr der Gemeinde bereits in den Anfangsjahren deren Bestehens finanzielles Kopfzerbrechen. So ist in einem Gemeindeprotokoll vom 2. Dezember 1893 folgendes vermerkt:
„Um einerseits der Gemeinde übertriebene Zechkosten zu ersparen, anderseits aber jedem Feuerwehrmann die zur Erholung erforderlichen Speisen und Getränke gleichheitlich zuzuwenden, sollen in der Gemeinde die Erfrischungsmarken eingeführt werden. Jede derselben soll einen Wert von 30 Pfg haben. Die Besorgung derselben wird dem kgl. Bezirksamt übertragen.“
Diese Erfrischungsmarken waren am 18. Februar 1894 erneut Gegenstand einer Sitzung des Gemeinderats, in der man beschloss, 50 Stück dieser Marken zu 30 Pfg einzuführen. Noch wesentlich mehr finanzielle Sorgen dürfte den Gemeindevätern schon damals die Ergänzung und Neuausrüstung der Feuerwehr durch technisches Gerät bereitet haben. Einem Protokoll aus dem Jahre 1895 ist zu entnehmen, dass nach einer im Auftrag des kgl. Bezirksamts München vom 10. Oktober 1894 durchgeführten Gemeindevisitation um die Ausrüstung der hiesigen Feuerwehr vollständig zu machen, noch eine Petroleumfackel mit 3 zusammenlegbaren Füßen, sowie 3 einholmige Dachleitern und eine zweiholmige Rettungsleiter beschafft werden sollen. Wörtlich hieß es:
„In anbetracht des durch HagelschIag verursachten gegenwärtigen Notstandes wird gebeten, von der Anschaffung der genannten Ausrüstungsgegenstände aus Gemeindemitteln für das Jahr 1895 Umgang zu nehmen. Die Gemeinde erhofft pro 1895 für Feuerlöschzwecke Zuschüsse aus öffentlichen Fonds.“
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