Der Wandel zur Universalwehr

Am 15. Oktober 1959 stand das Gut Gerharding zum drittenmal in Flammen. Die Floriansjünger aus Kirchheim waren zwar schnell am Brandort, aber, wie im Einsatzbericht vermerkt wird, „ ... die Löschmaschine g

eht einfach nicht. Heimstetten übernimmt unsere Saugschläuche und bringt Wasser in unsere aufgebaute Leitung.“ Schon einen Tag darauf beschloss der Gemeinderat, eine VW-Motorenspritze zu erwerben, die auch bereits am 19. Januar 1960 geliefert wurde. lm November 1959 ergab sich mit dem Aufbau des zivilen Selbstschutzes die Möglichkeit, ein Fahrzeug TLF 8 in Kirchheim zu stationieren. Dieses stand zwar im Eigentum des Staates, konnte jedoch von der Feuerwehr in vollem Umfange genutzt werden und war dafür von dieser zu unterhalten. Mit dem in diesem Fahrzeug mitgeführten 800 Liter fassenden Tank konnte sofort nach Eintreffen am Brandplatz über die Schnellangriffseinrichtung zur Brandbekämpfung vorgegangen werden. Insgesamt hat sich durch diese beiden Neuerwerbungen die technische Ausrüstung unserer Wehr erheblich verbessert. Auch auf das äußere Erscheinungsbild legte man nunmehr mehr Wert. Anfang der fünfziger Jahre wurden die ersten blauen Uniformen beschafft. Und noch bevor man bei der Freiwilligen Feuerwehr Kirchheim an ein neues Gerätehaus dachte, war man sich darüber einig, dass die vorhandene schmucklose, aus einfachem schwarzen Tuch bestehende Standarte mit der Aufschrift „Kirchheim“ nicht mehr dem allgemeinen Verständnis der Wehr entspricht. Im Jahr 1953 wollte man deshalb von der Notzinger Wehr für 100 DM deren alte Standarte erwerben, nachdem sich diese damals bereits eine neue Fahne leisten konnten. Die Verhandlungen fanden beim „Kandler Wirt“ in Notzing statt und wurden auf Kirchheimer Seite von Kaspar Fuchs (gen. Straßmoar) und Xaver Vitzthum geführt. Nach langem Hin und Her einigte man sich schließlich auf einen Kaufpreis von 100 DM. Die ebenso trinkfesten wie wackeren Feuerwehrmänner wandten sich sogleich dem Bier und dem „Watten“ (für „Preußen“: ein bayerisches Kartenspiel) zu. Die Delegation aus Kirchheim war mit der Glücksgöttin Fortuna im Bunde und gewann im Laufe der „Verhandlungen“ diesen Betrag und konnte somit die Standarte für die Feuerwehr Kirchheim ohne finanziellen Aufwand mit nach Hause nehmen. Zum Schutz der blauen Uniform wurde 1960 von der Gemeinde eine Garnitur Schutzanzüge für Brandeinsätze beschafft. Ein Trompeter, der mit voller Kraft durch den Ort blies, kündigte früher den Kameraden den Ernstfall an. Meldereiter mussten indessen bei den Nachbargemeinden Hilfe holen. Später wurde der Feuerwehrtrompeter durch die Kirchenglocken abgelöst. Ab 1964 erfolgte die Alarmierung über eine Sirene, die auf dem Giebel des damaligen Schulhauses angebracht war. Ein Brand am 27. November 1966 bei der Firma Ettenhuber in Kirchheim machte deutlich, dass sich auch die Aufgaben der Feuerwehr mit zunehmender Industrialisierung im Ort wandeln werden. Zur Brandbekämpfung in der teerverarbeitenden Fabrik musste die Berufsfeuerwehr München herbeigerufen werden. Es zeigte sich, dass die Brandbekämpfung nur mit Wasser nicht mehr ausreichend ist.

LF16/12

Auf Initiative des damaligen Kommandanten Richard Lenz beschloss der Gemeinderat unter Bürgermeister Martin Mair den Kauf eines modernen Löschgruppenfahrzeuges LF 16, das 1970 durch den dann amtierenden Kommandanten Alois Erl in Betrieb genommen und durch Herrn Pfarrer Emmerich Neumann geweiht wurde. Zu den Einweihungsfeierlichkeiten des mit einem Kostenaufwand von 97.250,58 DM beschafften Fahrzeuges sprachen auch KBI Binder und KBM Ehberger. In diesem Fahrzeug, das sich bis August 2001 im Einsatz befand, waren neben einem 1600 Liter Wassertank u. a. Ausrüstungsgegenstände für den schweren Atemschutz und für das Löschen mit Schaum untergebracht.

Nachdem sich das genaue Gründungsjahr der Freiwilligen Feuerwehr Kirchheim, wie eingangs bereits erwähnt, dokumentarisch nicht feststellen ließ, einigte man sich auf 1877 als das Jahr der Gründung. Das 100jährige Gründungsfest wurde folglich 1977 und zwar vom 18. - 22. Mai mit großem Aufwand und Feierlichkeiten begangen. Ein lange vorher gebildeter Festausschuss war mit der Organisation und der Durchführung des Festablaufes beauftragt. 40 aktive Feuerwehrmitglieder und ein Großteil der Bevölkerung Kirchheims begrüßten am Eröffnungstag den damals amtierenden Ministerpräsidenten Bayerns, Dr. Alfons Goppel, begleitet von Landrat Dr. Joachim Gillessen und mehreren Landtagsabgeordneten. Mit der 100 - Jahrfeier war auch gleichzeitig die Weihe der neuen Fahne, die seither bei allen offiziellen Anlässen der Kirchheimer Wehr stolz präsentiert wird, verbunden. Bei der sich abzeichnenden steigenden Einsatzzahl war es den Gemeindebürgern nicht mehr zuzumuten, insbesondere in den Nachtstunden durch eine aufheulende Sirene erschreckt und aus dem Schlaf gerissen zu werden. Deshalb wurde 1978 die stille Alarmierung eingeführt: Jeder aktive Feuerwehrmann hat einen Funkwecker zu Hause, über den durch die im Landratsamt eingerichtete Feuerwehreinsatzzentrale der Alarm ausgelöst wird. Je mehr Einsätze zu verzeichnen waren, um so vielschichtiger zeigten sich auch die Aufgaben der Feuerwehr und um so notwendiger war die Beschaffung zusätzlicher Ausrüstungsgegenstände. Als Konsequenz wurde deshalb im Juli 1979 ein weiteres Fahrzeug, ein Löschgruppenfahrzeug LF 8 gekauft. Neben mehr Geräten des schweren Atemschutzes sind in diesem Fahrzeug seit 1980 auch eine Rettungsschere und ein Spreizer, die schon bei mehreren Verkehrsunfällen Menschenleben rettend eingesetzt wurden, enthalten. Diese wurden vom Landesverband der Gewerblichen Berufsgenossenschaften gestiftet und haben sich schon bei mehreren Verkehrsunfällen bewährt. Die gesetzlichen Vorschriften machten es erforderlich, dass mit der bereits begonnenen höheren Bebauung in Kirchheim auch eine Drehleiter benötigt wurde. Im Dezember 1979 erhielt die Kirchheimer Feuerwehr eine Leiter der Firma Metz, Typ DLK 23-12. Diese kann von -17°unter der Horizontalen auf 75° aufgerichtet und insgesamt bis zu 30 m Höhe ausgefahren werden. Die Freude über diese neue Drehleiter war aber getrübt, weil sie wegen Platzmangels nicht in Kirchheim unterzubringen war und deshalb im damals neuerbauten Feuerwehrgerätehaus in Aschheim stationiert wurde.

Feuerwehrgeraetehaus

Allerdings wurde hiermit auch für Gemeindeverantwortlichen deutlich sichtbar, dass die räumlichen Verhältnisse der Feuerwehr in Kirchheim unzumutbar beengend geworden sind. Die Einsicht setzte sich durch, dass ein neues Feuerwehrgerätehaus dringendst erforderlich ist. Unter der Ägide des damals amtierenden Bürgermeisters Hermann Schuster wurden konkrete Planungen in Angriff genommen. Am 2. Juni 1989 wurde das neue Feuerwehrhaus nach 20monatiger Bauzeit eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Mit einem Kostenaufwand von 4,95 Mio. DM wurde auf einer Fläche von 2.550 m2 ein modernes, allen auch künftigen Anforderungen gerecht werdendes Feuerwehrhaus erstellt, das für die freiwilligen Löscher keine Wünsche offen lässt. Neben ausreichend Platz für vorhandene und künftige Gerätschaften in der Fahrzeughalle bietet es auch die längst benötigten Schulungs-, Jugend-, Sozial- und Lagerräume sowie Werkstätten.

 

 

Auch die Einsatzzahlen verdeutlichen, wie notwendig dieser Schritt war. Wurden 1975 nur 22 Einsätze registriert, so erhöhte sich diese Zahl 1982 bereits auf 61 Alarmierungen. Bereits 5 Jahre später, im Jahr 1987 haben sich die Einsätze mehr als verdoppelt. 125 mal mussten unsere freiwilligen Helfer zu jeder Tages- und Nachtzeit ihren Mann stehen. Im Jahr 1990 waren es sogar 173 Einsätze, die von damals 71 aktiven Mitgliedern unserer Wehr bewältigt werden mussten. Die sprunghaft steigenden Einsätze sind nicht zuletzt auch Zeichen für die sich damals im vollen Gange befindliche Strukturveränderung der Gemeinde Kirchheim. Sie wandelte sich von einem landwirtschaftlich geprägten Dorf zu einer industrialisierten Stadtrandgemeinde. Brand_Ldw.-AnwesenDeshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass am 30. Mai 1992 ein weiteres Fahrzeug eingeweiht wurde. Hier handelt es sich um ein Tanklöschfahrzeug des Typs TLF 16/25. Es ist u.a. bestückt mit einem 2.500 l Tank, Rettungsschere und –spreizer, Chemikalienschutzanzügen, Atemschutzgeräten und anderem Gerät zur Brandbekämpfung und technischen Hilfeleistung. Bereits einen Tag später, beim Brand eines landwirtschaftlichen Anwesens, der am 31. Mai 1992 in den frühen Morgenstunden im Ortsteil Hausen ausbrach, konnte dieses Fahrzeug gleich die „Feuertaufe“ im wahrsten Sinne des Wortes bestehen. Hier wurde durch beherztes Eingreifen und Dank der wieder guten technischen Ausrüstung ein Übergreifen des Feuers auf das Wohnhaus verhindert.

Ein dem Freistaat Bayern gehörender Ölwehrgeräteanhänger zum Eindämmen und Aufnehmen von Ölfeldern auf dem Wasser wurde ebenfalls 1992 im Feuerwehrhaus in Kirchheim stationiert. Den steigenden Einsätzen bei Verkehrsunfällen Rechnung tragend wurde zum Schutz der Feuerwehrleute 1993 ein Verkehrs-Sicherungs-Anhänger beschafft. Für den gleichen Einsatzzweck wurde 1997 noch ein Mehrzweckanhänger als Zubringer für Warnschilder und Bindemittel bei Ölspuren beschafft.