| Von der Handpumpe zur Motorspritze |
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Über den Bezirks-Feuerwehr-Verband München-Land wurden an sämtliche Feuerwehren dieses Bezirks in den Jahren 1889 - 1895 Sanitätstaschen ausgeteilt. Die 1871 beschaffte Kübelspritze wurde schon bald durch eine zweirädrige Saug- und Druckspritze abgelöst, die es von nun an ermöglichte, aus einem Brunnen Wasser anzusaugen. Der Grundwasserstand war in unserer Gegend damals sehr hoch, so dass die Löschwasserbeschaffung nicht schwierig war. Mehr Probleme bereitete den Gemeindeoberen schon die Unterhaltung der Feuerwehrgeräte. Im Protokoll vom 18. August 1901 ist nachzulesen:
„Die Saug- und Druckspritze der Gemeinde Kirchheim wurde im Vorjahr mit einem Kostenaufwand von 275 Mark repariert, welcher Betrag aus der Gemeindekasse gedeckt wurde. Diese unvorhergesehene Ausgabe verursachte der Gemeindekasse pro 1900 ein Defizit von 241,48 M. Zur Begleichung desselben wäre pro 1901 eine Erhöhung der Gemeindeumlagen notwendig. Nachdem jedoch bei der bekannten Armut der Bevölkerung eine weitere Erhöhung der Gemeindeumlagen, die seit Jahren 100 % beträgt möglichst zu vermeiden ist und die Bieraufschlagsteuer pro 1900 mit einem Aktivrest von 360 M abschließt, wird an das kgl. Bezirksamt die gehorsame Bitte gestellt, den Betrag von 275 M aus der Bieraufschlagkasse an die Gemeindekasse überweisen zu dürfen.“
Der Fehlbetrag in der Gemeindekasse dürfte um so schmerzlicher gewesen sein, da sich die Reparatur als nicht ausreichend herausstellte. Am 23. Juni 1901 schrieb nämlich der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Heimstetten, Herr Josef Weishaupt, an den Bezirksfeuerwehr-Vertreter unter anderem folgendes:
„ ... Melde Ihnen gehorsamst zugleich daß wir am 11. dies Monats nach Weißenfeld um 10 Uhr Nachts u. am Montag dem 17. Juni nach Hausen Früh 2 Uhr ausrükten in Weißenfeld traten wir nicht mehr in Funktion aber in Hausen machten wir auf das vorder Gebäude einen Angriff daß am Morgen in den Zimern alles Mobiliar noch gut im Stande gerettet werden konnte blos Nass war Alles. Was ich leider wieder Bedauern muß ist, daß die Kirchheimer Spritze wieder nicht Gegangen ist, würde Sie dringend Bitten in dem die Gemeinde Kirchheim bedeudent nicht so Arm ist wie unsere Gemeinde, daß Sie darauf hinwirken würden und Sie eine neue Spritze haben müssen den wan es heute bei uns Brent und die ist unsere nächst gelegene Feuerwehr welche uns am ersten Hilfe bringen soll, kan aber nichts thun weil die Spritze nicht geht so ist es Nothwendig daß Sie eine andere kaufen ...“.
Sicherlich war dieser Brief auch mit ausschlaggebend, dass im Jahre 1903 eine moderne, vierrädrige Saug- und Druckspritze beschafft wurde (das gleiche Modell steht heute zur Besichtigung im Feuerwehrhaus und wurde auch beim Tag der offenen Tür 2008 für eine historische Übung verwendet). Diese Spritze wurde von Pferden zur Einsatzstelle gezogen und 8 Mann des Spritzenzuges betätigten mit Muskelkraft die Pumpe. Eine Tafel beim „Alten Wirt“ (ehemalige Gaststätte gegenüber der Kirche) zeigte an, welcher Landwirt zum Spanndienst eingeteilt war. Mit zunehmender Motorisierung wurden die Pferde überflüssig und anfänglich durch das Milchauto (Lastwagen der Molkerei Sepp) und später dann durch die Zugmaschinen der ortsansässigen Landwirte ersetzt.
Zweifellos hat es den Männern unserer Wehr damals auch Schwierigkeiten bereitet, zu den seit 1868 jährlich stattfindenden Bezirksfeuerwehrversammlungen Abordnungen zu entsenden. Erstmals war eine solche bei der Versammlung 1911 in Feldkirchen vertreten. Gemeinsam mit den Wehren aus Heimstetten, Aschheim, Salmdorf und Feldkirchen nahm sie an der nachmittäglichen Übung zur Zufriedenheit der Inspektoren teil. Gleiches geschah auch bei der Bezirksfeuerwehrversammlung am 16. Mai 1915 in Heimstetten, bei der trotz der damals gerade herrschenden politischen Verhältnisse (1. Weltkrieg) bei der Gemeinschaftsübung auch ohne die ältere Mannschaft doch ein befriedigendes Ergebnis bestätigt werden konnte. Von den 40 Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Kirchheim vor Kriegsbeginn wurden 27 zum Heer eingezogen. Die Mannschaftsstärke nach dem 1. Weltkrieg betrug noch 30 Mann. 6 Feuerwehrmänner wurden als gefallen oder vermisst gemeldet, der Rest befand sich wahrscheinlich noch in Gefangenschaft. Im Jahre 1901 wurden in der Bezirksfeuerwehrversammlung in Grünwald Ausrückbezirke eingeteilt, d. h. es ist festgestellt, in welche Gemeindebezirke jede Feuerwehr bei einem Brande ausrücken muss. Kirchheim wurde zur Nachbarschaftshilfe bei Bränden in den Gemeinden Aschheim, Heimstetten und Landsham eingeteilt. Immer wieder musste sich der Gemeinderat mit Belangen des Feuerschutzes befassen. So ist aus dem Protokoll vom 24. Januar 1904 folgendes zu entnehmen:
"Nachdem der Wasserstand in der hiesigen Gegend immer niedriger wird und der dadurch bewirkte Wassermangel sich im Brandfalle arg rächen könnte, seien im Gemeindebezirk Kirchheim 7 Brunnen so zu vertiefen, daß im Brandfalle das nötige Wasser zu haben ist. Die Kosten hierfür, welche im Gemeindevoranschlag 1904 bereits vorgesehen sind, seien aus der Gemeindekasse zu decken.“
In Kirchheim selbst lassen sich die Brände vom Jahre 1886 weg aus dem Versicherungsgrundbuch der Gemeinde Kirchheim nachvollziehen. Bis 1929 wurden hierin insgesamt 29 Brandfälle im Gemeindegebiet registriert. Vielleicht ist noch einigen alten Kirchheimern der Großbrand des Jahres 1929 in Erinnerung, als der Zehmerhof bis auf das Wohnhaus niederbrannte. Bei Drescharbeiten auf dem Hof zündete ein Funken des Dampflokomobils und im Nu brannte alles lichterloh.
Als eine der wenigen Wehren des Kreises war die Kirchheimer bis ins Jahr 1928 ausschließlich auf Löschbrunnen angewiesen. Während andere Gemeinden bereits seit langem Wasserleitungen besaßen, wurde in Kirchheim erst in diesem Jahr der Wasserturm und damit auch die gemeindliche Wasserleitung in Betrieb genommen. Das Wasser wurde seit dieser Zeit für Löschzwecke aus Hydranten entnommen. Der oben erwähnte Brand auf dem Zehmerhof war der erste Brandfall, bei dem Löschwasser aus der neu errichteten Wasserleitung kam. Der Wasserturm, weithin sichtbar und ein Wahrzeichen Kirchheims, wurde am 27. März 2001 gesprengt. Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Kirchheim stellen nunmehr seit mindestens 125 Jahren im Ernstfall nicht nur ihre Einsatzbereitschaft unter Beweis; sie waren und sind als Feuerwehrverein auch ein wichtiger kultureller Bestandteil der Gemeinde. Immer wieder auftauchende Ausgaben für Tanzlustbarkeitsbewilligungen, schon im Jahre 1926, deuten darauf hin, dass die heute noch alljährlich abgehaltenen Feuerwehrbälle eine lange Tradition aufweisen können. Für musikalische Umrahmung erhielt die Musikkapelle Feldkirchen im Jahr 1934 für Ballmusik 38 RM Gage.
Offensichtlich war es mit den Finanzen des Feuerwehrvereins jedoch während dieser Zeit nicht bestens bestellt, da mit Schreiben des Bezirksbrandinspektors vom 20. Juni 1936 an die Freiwillige Feuerwehr Kirchheim moniert wurde, dass der Jahresbeitrag 1935 an den Bayerischen Landesfeuerwehrverband noch nicht bezahlt sei. Wörtlich hieß es:
„Sollte Ihre Wehr momentan über keine Gelder verfügen, so ersuchen Sie Ihren Bürgermeister um Unterstützung. Der Beitrag muß unter allen Umständen bezahlt werden, wenn Ihre Wehr auch weiterhin als freiwillige Feuerwehr anerkannt werden soll.“
Fast könnte der Eindruck entstehen, dass damals die Vergnüglichkeiten bei der Feuerwehr in Kirchheim wichtiger waren als ihre eigentliche Aufgabe, der Feuerschutz. Aus dem Bericht des Landesbranddirektors an das Staatsministerium des Innern vom 29. April 1929 betreff der Besichtigung der Löscheinrichtungen in Kirchheim ist Folgendes festgehalten:
„Das Feuerwehrgerätehaus, im Gemeindehaus untergebracht, ist für die vorhandenen Geräte ausreichend und in gutem baulichen Zustand. Die Gemeinde; hat eine Hochdruckwasserleitung mit 13 Unterflurhydranten, neu erbaut infolge der Absenkung des Grundwasserspiegels durch die Anlagen der mittleren Isar. Im Gerätehaus steht die Spritze vorne dran, obwohl hier an dieser Stelle nach der Errichtung der Wasserleitung der Hydrantenwagen stehen sollte. Hydrantenaufsatz und Hydrantenschlüssel befinden sich lose auf einer Stellage, ebenso die Schlauchknoten. Im Bedarfsfalle müssen sie daher durch Feuerwehrmänner einzeln an den Brandplatz geschafft werden. Dies hätte es nicht nötig, weil ein Schlauchhaspelwagen vorhanden ist, der mit wenigen Mitteln repariert und mit einem entsprechenden Aufbau zur Unterbringung der Hydrantengarnituren versehen werden könnte. Im Feuerhaus ist nur ein Vorrat von 90 m Schläuchen vorhanden. Der zur Besichtigung beigezogene Herr Bürgermeister hat allerdings erklärt, dass im Ortsteil Hausen noch eine grössere Menge Schlauchmaterial zur Verfügung steht. Dessen ungeachtet ist das Schlauchmaterial im Gerätehaus viel zu wenig. Weitere 150 m wären unbedingt notwendig. Auch hier wurde vom Herrn Bürgermeister der Wunsch geäussert, dass für Beschaffung von Schlauchmaterial Zuschüsse gegeben werden möchten.
gez. Eller Landesbranddirektor
Entsprechendes wurde vom Bayerischen Landesfeuerwehrausschuss am 30. April 1929 an die Gemeinde Kirchheim schriftlich mitgeteilt. Obwohl die Gemeindekasse sicherlich auch damals keine überflüssigen Geldmittel zur Verfügung hatte, beschloss der Gemeinderat am 12. April 1931 die Anschaffung einer fahrbaren Feuerwehrleiter und am 26. Mai 1936 zur Löschwasserversorgung in Kirchheim zwei und in Hausen einen Löschwasserbrunnen ausheben zu lassen. Auch der 2. Weltkrieg riss Lücken in die Mannschaft der Kirchheimer Feuerwehr. Viele aktive Feuerwehrmitglieder wurden als Soldaten eingezogen und mussten an die Front. Wie in vielen anderen Gemeinden hatte auch Kirchheim während dieser Zeit eine sogenannte Jugendfeuerwehr; das Durchschnittsalter der Burschen lag zwischen 14 und 17 Jahren. Die älteren Männer und die Jugendfeuerwehr mussten nach Bombenangriffen sogar in München Hilfe leisten. In die Kriegsjahre (1942) fiel auch die Übergabe der ersten Motorspritze (Tragkraftspritzenanhänger TSA) in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Kirchheim. Hierbei handelte es sich um ein Modell der Firma Robel & Co. aus München. Die Spritze hatte einen Zweizylinder-Zweitaktmotor mit 910 cm und 27 PS. Sie garantierte eine Leistung bis zu 1000 I/min bei 60 m manometrischer Gesamtförderhöhe und einer Saughöhe von ca. 1,5 m. Die Kosten hierfür betrugen 2.148,35 RM und wurden zu 30 % aus Mitteln des Staates bezuschusst. Auf dem Bild ist die Inspektionsübung 1958 mit dem TSA zu sehen.
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